Weihnachts- und Neujahrsgruß des Bezirkstagspräsidenten

Kaum jemand hätte vor einem Jahr gedacht, dass uns Corona auch in diesem Winter noch intensiv in Atem hält. Tatsächlich war 2021 erneut ein Jahr, das – mit Unterbrechung im Sommer – von pandemischen Fragen geprägt war.
Um aus der Krise zu lernen und womögliche Chancen aus ihr abzuleiten, sollten wir uns als Gesellschaft grundsätzlich Gedanken über Strukturen und Abläufe machen. Ob internationale Lieferketten bei Medizinprodukten oder Abhängigkeiten vom Ausland bei Zulieferern: Vieles von dem, was wir für einen vermeintlichen Segen des Fortschritts gehalten haben, hat sich gerade in der Krise als Problem erwiesen.
Daneben hat uns Corona auch gelehrt, dass wir stets das Gesamtbild im Auge behalten sollten. Während Kinder zu Verlierern der Pandemie wurden und viele noch lang unter den Folgen der Lockdowns leiden, blieben andere Bereiche fast unberührt. Der Blick auf das Große und Ganze wird zentral sein bei der Frage, wie wir den weiteren Verlauf der Pandemie bewältigen können.
Zuletzt aber hat uns die eingeschränkte Mobilität und das Abreißen internationaler Verbindungen auch gezeigt, dass wir uns auf das besinnen müssen, was wir in der Region haben. Gerade bei uns in Niederbayern ist das sehr viel. Lassen Sie uns weiterhin den Fokus auf das richten, was Niederbayern ausmacht – und es sowohl wertschätzen als auch ausbauen!

Ausgebaut haben wir als Bezirk Niederbayern im vergangenen Jahr erneut unsere psychiatrischen Einrichtungen. Am Bezirksklinikum Mainkofen wurde der zweite Bauabschnitt eingeweiht und der Beginn des dritten Bauabschnittes eingeleitet. Damit kommen wir der kompletten Neustrukturierung, in die der Bezirk und der Freistaat Bayern insgesamt über 145 Millionen Euro investieren, wieder einen Schritt näher. Auch die Dezentralisierung unseres Angebotes wurde fortgesetzt. In Waldkirchen konnten wir eine weitere Institutsambulanz als Außenstelle der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Bezirkskrankenhauses Landshut eröffnen und damit die Versorgung im ländlichen Raum verbessern.
Doch neben den kraftvollen Investitionen in unsere Häuser wird eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft das Gewinnen von Personal sein und vor allem auch, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen langfristig bei uns zu halten. Denn – auch das hat uns Corona deutlich vor Augen geführt – ohne die Fachkräfte vom Pfleger bis zum Arzt läuft nichts im Gesundheitssystem. Allen Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern, Kliniken, bei der ambulanten und stationären Versorgung in diesen Monaten wahrlich Übermenschliches leisten, gilt unser aller Dank!

Abgesehen von den Krankenhäusern sind die Auswirkungen der Corona-Krise wohl in keiner Branche härter als bei Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden. Wir spüren diese Folgen ganz deutlich beim Landestheater Niederbayern und bei den Freilichtmuseen in Finsterau und Massing, an denen der Bezirk über Zweckverbände beteiligt ist. Trotz geringerer Einnahmen wollen wir aber auch weiterhin in die Attraktivität dieser Einrichtungen investieren. Es gilt alles dafür zu tun, um die kulturelle Vielfalt Niederbayerns zu erhalten.

Genauso ist es dem Bezirk ein großes Anliegen, die Zukunft der fünf niederbayerischen Heil- und Thermalbäder in Bad Füssing, Bad Birnbach, Bad Griesbach, Bad Gögging und Bad Abbach zu sichern – zumal auch hier wegen der langen Schließzeiten massive Verluste in den Zweckverbänden zu verzeichnen sind.
In den Prozess der gemeinsamen Neukonzeption der Heil- und Thermalbäder, die in ihren Regionen wichtige Wirtschaftsfaktoren und bedeutende Arbeitgeber sind, ist in diesem Jahr viel Energie geflossen. Unter Beteiligung aller – von den Einrichtungsleitern über die Kurdirektoren bis hin zu den Vertretern der Gebietskörperschaften – wurde einstimmig ein Gesamtziel definiert. Einsparungen an wirtschaftlich sinnvollen Stellen und das Hervorheben der Stärken der einzelnen Standorte sollen die Zugkraft der fünf Heil- und Thermalbäder erhöhen und sichern. Gerade die schwierigen Rahmenbedingungen der Pandemie haben uns gezeigt, wie unverzichtbar diese Maßnahmen sind, damit wir auch in Zukunft in Sachen Prävention gut aufgestellt sind. 

Bei der aktuellen Nachrichtenlage kann es einem manchmal schwerfallen, optimistisch und hoffnungsvoll zu bleiben. Doch so schwierig die Zeiten auch sind: Jeder Mensch sollte sich ab und zu bewusst machen, dass jeder selbst der Unterscheid sein kann, den er sich für die Welt wünscht. Jeder kann an seiner Stelle dazu beitragen, dass wir die Hoffnung nicht verlieren, dass das Gute überwiegt und dass wir nicht noch mehr Spaltung zulassen, sondern versuchen, uns auf Gemeinsames zu besinnen.

Ich glaube, dass die Pandemie für unsere Gesellschaft ein Weckruf sein kann. Denn es ist jetzt an der Zeit, die Dinge, die wir bisher aus Bequemlichkeit vertagt haben, endlich anzugehen. Viele Veränderungen hätten wir ohne den Leidensdruck der Pandemie wohl nicht für notwendig betrachtet. Wenn alle dazu beitragen, kann aus dieser Pandemie neben vieler Schwierigkeiten und viel Leid auch Positives erwachsen. Wir können weder die Toten zurückholen, noch die Kranken mit schwerwiegenden Langzeitschäden derzeit vollends heilen.
Alles andere aber sollten wir angehen – mit dem hoffnungsvollen Geist der Erneuerung, der gerade jetzt zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel spürbar ist.

Im Namen des Bezirkstags von Niederbayern und persönlich wünsche ich allen Bürgerinnen und Bürgern gesegnete, friedvolle Weihnachten, Glück und Zufriedenheit, vor allem aber Gesundheit und Gottes Segen für das neue Jahr.

Landshut, im Dezember 2021

Dr. Olaf Heinrich
Bezirkstagspräsident