Bezirksklinikum im Wandel

Bildunterschrift: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Krankenhausdirektor Uwe Böttcher vor den Plänen zum dritten Bauabschnitt am Bezirksklinikum Mainkofen. Foto: Lang / Bezirk Niederbayern

Mainkofen. Der dritte und letzte Bauabschnitt am Bezirksklinikum Mainkofen hat begonnen und doch werden die Gedanken an die Zukunft vor allem durch das Thema Personal bestimmt. Das wurde kürzlich deutlich, als sich Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Krankenhausdirektor Uwe Böttcher zu einem Jahresabschlussgespräch trafen.

Während sich die Fallzahlen nach dem Corona-Tief wieder auf dem Niveau von 2019 normalisiert haben, bereiten die Vorgaben der Richtlinie zu Personalausstattung in Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-RL) Sorgenfalten. „Um diese Quote bei unseren derzeitigen Patientenzahlen zu erreichen, fehlen uns im Moment 50 Vollzeitkräfte“, so Böttcher. Da ab 2024 die Vorgaben „scharf gestellt“ werden, das heißt, bei einem Unterschreiten der Personalquote Sanktionszahlungen drohen, geht man in Mainkofen davon aus, die Leistung drosseln zu müssen. „Wenn wir einen Patienten aufnehmen und dafür nicht das erforderliche Personal vorhalten können, bekommen wir nicht nur die Behandlung nicht zurückerstattet, sondern müssen oben drauf noch Sanktionszahlungen leisten.“ Dies werde, so Heinrich, dazu führen, dass die Versorgung psychiatrischer Krankheiten nicht mehr so stattfinden kann wie bisher – das wurde bereits mehrfach im Bezirksausschuss diskutiert. Doch eine Lösung gibt es für den Bezirk hier nicht, da man auf die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) keinen Einfluss habe.

Auch in der Neurologie geht Uwe Böttcher davon aus, dass man die Versorgung nicht erweitern könne. „Die Nachfrage ist groß, doch wir können auch hier aus Personalgründen leider nicht alles machen, was wir machen möchten.“ Positiv sei, dass sich die ärztliche Besetzung in Mainkofen stabilisiert, was an einer „massiven Ausbildungsoffensive für neue ausländische Kollegen liegt“. Eine Deutschlehrerin wurde eingestellt, um die sprachlichen Fähigkeiten der Ausbildungsärzte zu verbessern und die Vorbereitungszeit für die Kenntnisstandsprüfung wurde verlängert. Die Interessenten aus der ganzen Welt – von Asien, Afrika, Amerika bis zum europäischen Ausland – werden ein Jahr vor Beginn ihrer Assistenzzeit bereits eingestellt.

In der Pflege hingegen sinken die Schülerzahlen, so dass man auch hier über Kooperationen mit anderen Ländern versucht, die Fehlstellen zu kompensieren. Im kommenden Jahr sollen etwa acht Tunesier nach Mainkofen kommen. „Das sind Abiturienten oder auch studierte Kräfte, die in ihrer Heimat keine Arbeit finden oder aber eine andere Lebensperspektive für sich suchen.“ Da ab 2025 die „Rentenwelle“ noch höher werden wird, werden auch Kooperationen mit Osteuropa angestrebt.

Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich lobte die Bemühungen des Krankenhausdirektors, die Unternehmenskultur in Mainkofen weiter zu verbessern. „Ich bin sicher, dass die Art und Weise des kollegialen Umgangs miteinander ein sehr wichtiger Faktor der Zukunft sein wird.“ Auch gibt es weitere Überlegungen, wie man das Angebot über neue Arbeitszeitmodelle oder Kindergartenbetreuung attraktiver machen kann.

„Wir sind ein Klinikum mitten im Wandel, mitten im Sturm“, so Böttcher, der sich deshalb besonders über die aktuellen Erfolge freut. „Kürzlich haben wir den 50. Weaning-Patienten aufgenommen.“ Und auch die Entwicklung des Medizincampus Niederbayern, bei dem ab 2024 bis zu 110 Medizinstudenten aus Regensburg die zweite Hälfte ihres Studiums an vier Klinikstandorten in Niederbayern verbringen werden, macht dem Krankenhausdirektor Hoffnung auf eine weitere Stabilisierung des Ärztenachwuchses – zumal Mainkofen in dem Konzept das Zentrum für die Psychiatrie sein wird. „Hier kommt uns die große Expertise des neuen ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Johannes Hamann, bisher leitender Oberarzt im Klinikum rechts der Isar in München, der im Januar seinen Dienst antritt, sehr zugute“, so Böttcher.

Heinrich betonte, dass er auch in der großen neurologischen Abteilung unter der Leitung von Prof. Schmidt-Wilcke einen „zentralen Baustein des Medizincampus“ sehe. Schließlich sei die Mainkofener Neurologie in der Region die größte Fachabteilung mit dem breitesten Behandlungsspektrum.