Traurige Niedrigwasser-Rekorde in Niederbayern – insbesondere in Rottal-Inn

Fischereifachberatung zur Situation für die Fische in Fließgewässern und was Teichwirte tun können

Landshut. Es sind traurige Rekorde, die aktuell in Europa, aber auch in Niederbayern aufgestellt werden. „An den allermeisten Gewässern – insbesondere auch an kleineren Bächen oder Flüssen – beobachten wir Niedrigwasser“, sagt Dr. Stephan Paintner, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Niederbayern. „Und an einigen Gewässern haben wir sogar die niedrigst gemessenen Abflüsse seit Beginn der Aufzeichnungen.“ 

So beispielsweise an der Rott, wo der Abfluss zum 6. Juli 2026 mit etwa 700 Litern pro Sekunde gemessen wurde. Im Mittel liegt er bei 8,7 Kubikmetern in der Sekunde. „Damit ist aktuell nur etwa ein Zehntel der üblichen Wassermenge vorhanden“, sagt Dr. Paintner besorgt. „Das und die hohen Wassertemperaturen sind eine problematische Kombination für die Fische.“ Besonders kritisch sei die Situation zum Beispiel aktuell am Kühötzbach in Eggenfelden, der in die Rott fließt. „Hier könnte in Kürze eine Fischbergung durch die Fischereiberechtigten erforderlich werden.“ Solche Notabfischungen mussten bereits in einzelnen niederbayerischen Gewässern stattfinden – und es könnte zu Weiteren kommen.

Doch, was macht die Situation für die Fische so kritisch? Hohe Wassertemperaturen führen dazu, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser abnimmt. „Fische atmen über die Kiemen und benötigen den Sauerstoff zum Überleben.“ Zudem gehe durch die Verringerung der Menge an verfügbarem Zufluss das Wasservolumen zurück und die Fische konzentrieren sich im Gewässer. „Eine schwierige Situation für die Tiere“, so Dr. Paintner. Ein weiteres Problem, bedingt durch Niedrigwasser: Das Wasser ist oftmals klarer und mehr Licht erreicht Wasserpflanzen. Beides kann deren Wachstum stark begünstigen. Zwar produzieren Wasserpflanzen tagsüber viel Sauerstoff. Doch nahezu die gleiche Menge benötigen sie nachts zum Atmen. Gerade am Ende der Nächte sind Sauerstoffgehalte in den Gewässern daher niedrig und Fischsterben können auftreten.

Teichwirtschaft in Niederbayern leidet

„Niedrigwasser selbst entsteht aus der Kombination von niedrigen Abflüssen und hohen Temperaturen, die zu starken Verdunstungen führen“, erklärt Dr. Paintner. Und das sei zunächst nichts Besonderes, doch: „Die Dauer der Niedrigwasser-Situationen und insbesondere der Umfang sind neu und stehen in Zusammenhang mit dem Klimawandel.“ Kurzzeitige Niederschläge oder Starkniederschlags-Ereignissen reichen nicht, um den Wasserspiegel nachhaltig anzuheben. „Damit sich die Wasserverhältnisse wieder verbessern, bräuchten wir Regen, aber kontinuierlich über mehrere Tage hinweg.“

Auch die Teichwirtschaft in Niederbayern leidet unter den geringen Abflüssen und den hohen Wassertemperaturen. Letztere führen zu geringerem Sauerstoffgehalt, aber auch zu Stress, der den Ausbruch von Fischkrankheiten und Parasitenbefall begünstigt. Teichwirte, in Niederbayern sind dies vor allem Forellenteichwirte, können unterschiedliche Maßnahmen ergreifen: „Einfach und rasch umzusetzen: Fische weniger oder gar nicht füttern“, sagt Dr. Paintner. „Denn gefütterte Fische brauchen wiederum mehr Sauerstoff.“ Sofern die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, kann zudem Sauerstoff in den Teich eingetragen werden – Luftsauerstoff oder technischer Sauerstoff. Eine mittel- bzw. langfristige Maßnahme: „Das Wasser im Teilkreislauf führen und so das Niedrigwasser zeitweise kompensieren.“ So könne man mit wenig Wasser besser zurechtkommen. 

Die Fachberatung für Fischerei steht gerne in der monatlichen Fischersprechstunde in Lindbergmühle oder unter 0871/97512-750 bzw. fff@bezirk-niederbayern.de beratend zur Seite.

Bildunterschrift: An den allermeisten Gewässern herrscht aktuell Niedrigwasser vor – insbesondere auch an kleineren Bächen oder Flüssen, wie Dr. Stephan Paintner am Tiefenbach in Tiefenbach bei Landshut beispielhaft aufzeigt.

Foto: Bezirk Niederbayern/Roider