Im Freilichtmuseum Massing ist nun der Ausstellungsgestalter am Werk – Eröffnung im Juli 2027
Massing. Im Eingangsbereich des Freilichtmuseums Massing richtet sich derzeit der Blick der Besucher auf ein architektonisches Schmuckstück: Der Neubau von Architekt Prof. Markus Frank besticht durch sein steiles Satteldach und helle Ziegel sowie Natursteine in unterschiedlichen Farbtönen. „Der Bau ist sehr gelungen“, lobt Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl die Architektur des neuen Ausstellungsgebäudes. Doch während draußen die fertige Hülle bereits Bewunderung auf sich zieht, läuft hinter den Kulissen die intensive Arbeit an der Ausstellungsgestaltung. Im Juli nächsten Jahres soll die neue Berta-Hummel-Ausstellung feierlich ihre Pforten öffnen. Damit entsteht im Freilichtmuseum Massing ein Ort von internationaler Strahlkraft, der das Leben und Werk der 1909 in Massing geborenen Künstlerin Berta Hummel völlig neu erfahrbar macht.
Eine bayerische Ikone neu entdecken
Berta Hummel (1909-1946) ist weltweit vor allem als Namensgeberin der Feinkeramik-Kleinplastiken bekannt, die seit den 1930er-Jahren von der Porzellanfabrik W. Goebel gefertigt werden. Die neue Ausstellung im Freilichtmuseum Massing setzt jedoch früher an und richtet das Augenmerk auf die Frau hinter den Motiven: eine bemerkenswerte, moderne und fast emanzipiert zu nennende Künstlerpersönlichkeit.
Nach ihrer Kindheit in Massing studierte Berta Hummel von 1927 bis 1931 als Klassenbeste an der Staatlichen Akademie für Angewandte Kunst in München. Ihre Studienarbeiten – Porträts, Karikaturen, Stillleben und Stadtansichten – zeugen von enormer zeichnerischer Präzision und wacher Beobachtungsgabe. 1931 entschied sie sich für den Eintritt bei den Franziskanerinnen von Sießen, legte 1934 als Schwester Maria Innocentia ihre Profess ab und setzte ihr Schaffen im klösterlichen Kontext fort. Ihre künstlerischen Einkünfte wurden zur wirtschaftlichen Hauptstütze des Klosters.
Konzeption mit Leidenschaft
Die Ausstellung wird vom Kulturreferat des Bezirks Niederbayern und vom Freilichtmuseum Massing kuratiert. Für die Ausstellungsgestaltung, Grafik, Licht- und Medienplanung zeichnet das renommierte Büro „Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer GmbH“ aus Münster verantwortlich, das den Gestaltungswettbewerb für sich entscheiden konnte. Dr. Ulrich Hermanns, promovierter Kunsthistoriker mit 30 Jahren Erfahrung in der Ausstellungsgestaltung, bringt zusammen mit seinem Team tiefes Fachwissen und großes Engagement in das Projekt ein.
„Als wir uns intensiv mit dem Wettbewerb befassten, war mein gesamtes Team sofort begeistert“, berichtet Dr. Ulrich Hermanns. „Berta Hummel ist eine bayerische Ikone, die es unter den starken Frauen Bayerns neu zu entdecken gilt. Man verbindet mit ihrem Namen natürlich sofort die Keramikfiguren, aber dahinter verbirgt sich eine faszinierende Biografie und ein sehr hochwertiges, differenziertes künstlerisches Werk.“ Auch beim Zusammenspiel mit der Architektur des Neubaus verfolgt der Münsteraner Experte eine klare Philosophie: „Der Bau von Prof. Markus Frank besitzt eine großartige Ausstrahlung. Unser gestalterischer Ansatz geht ganz bewusst dahin, die Architektur nicht zu überbauen oder zu verdecken. Wir arbeiten eng mit dem Raum und lassen ihn als Rahmen für die Exponate wirken, um eine stimmungsvolle Atmosphäre zu erzeugen.“
Das Erdgeschoss widmet sich voll und ganz der Biografie und der künstlerischen Entwicklung Berta Hummels. Ein Zeitstrahl mit historischen Fotografien sowie persönliche Requisiten – wie ihre Fotos und Briefe – machen die Persönlichkeit greifbar.
Ein besonderes Juwel im Erdgeschoss bildet die Galerie im hinteren, tageslichtreduzierten Raumbereich. Hier werden die wertvollen Originalzeichnungen und Aquarelle präsentiert. Da Arbeiten auf Papier extrem lichtempfindlich sind, entwickelte das Büro Hermanns ein ausgeklügeltes Licht- und Raumkonzept:
Obergeschoss: Die Welt der Hummelfiguren, Mitmach-Stationen und Sammlergeschichten
Im Obergeschoss tauchen die Besucher in die weltberühmte Hummelwelt ein. Behutsame Animationen veranschaulichen Schritt für Schritt, wie aus einer zweidimensionalen Bleistiftskizze eine dreidimensionale Porzellanfigur entsteht.
Darüber hinaus wird das Obergeschoss zu einem lebendigen, familienfreundlichen Erlebnisraum mit barrierefreiem Zugang für alle Altersgruppen. Ein besonderes Anliegen ist zudem die Einbindung der Sammler und ihrer Geschichten.
Vorfreude auf nächsten Juli
Das Freilichtmuseum Massing sieht dem Eröffnungstag im kommenden Juli mit großer Spannung entgegen. „Mit dem neuen Berta-Hummel-Museum gewinnt Niederbayern ein kulturelles Aushängeschild, das Geschichte, Architektur und lebendiges Museumserlebnis vereint“, so Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der sich kürzlich mit seinem Stellvertreter Dr. Thomas Pröckl sowie den Vertretern des Kulturreferats des Bezirks, Dr. Clemens Knobling und Dr. Cindy Drexl bei einem Vor-Ort-Termin über den Stand der Maßnahme informierte.
Bildunterschrift Berta-Hummel_innen: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (v.l.) mit seinem Stellvertreter Dr. Thomas Pröckl sowie Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling und Dr. Cindy Drexl vom Kulturreferat.
Foto: Bezirk Niederbayern/Manuela Lang
Bildunterschrift Selbstportrait: Studie „Selbstportrait Berta Hummel“, Rötel auf Papier, München 1929
Foto: Freilichtmuseum Massing


