Regionalität nur mehr teilweise machbar

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich informiert sich bei Holz Schiller über Vertriebswege

Regen. Die Holzwirtschaft in Niederbayern wieder regionaler aufzustellen und damit Wertschöpfungsketten vor Ort auch durch politische Initiativen zu fördern, ist Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich ein Anliegen. Um einen Eindruck von der Arbeit eines größeren Betriebes in der Region zu bekommen, besuchte er kürzlich die Firma Holz Schiller in Regen.
Heinrich Schiller, geschäftsführender Gesellschafter, und Tochter Victoria, zuständig für Vertrieb und Marketing, nahmen sich gerne die Zeit, um Olaf Heinrich ihren Betrieb vorzustellen. In der siebten Generation führt Heinrich Schiller das Unternehmen, das neben dem Standort in Regen noch drei Weitere in Tschechien (Klattau, Luby und Eger) betreibt. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 640 Mitarbeiter, 255 davon arbeiten am Hauptsitz in Regen. Als man 1990 vom Ortszentrum in das Industriegebiet zog, wechselte Schiller auch seine Strategie. „Wir entschieden uns, nicht mehr nur Bauholz zu machen, sondern im eigenen Werk eine höhere Wertschöpfung zu erreichen, indem wir das Produkt veredeln. Der Kunde verlangt zunehmend homogene Produkte und fehlerfreie Qualität, die man nur mit Leimhölzern erreichen kann“, so Heinrich Schiller. Mittlerweile liegt der Schwerpunkt des Unternehmens auf astreinen Leimhölzern für Fenster, Türen und Fassaden. „Wir liefern unseren Kunden Halbfertigprodukte, die wir in unseren integrierten Produktionsstandorten sägen, trocknen und weiterveredeln. Die anfallenden Späne werden zu Pellets verarbeitet und die Rinde wird zur Erzeugung von Prozesswärme für den eigenen Betrieb verwendet. Somit wird der Baum komplett verwertet.
Dank der modernen Produkte, die auf den Bedarf des Marktes mit gleichbleibender Qualität für die Kunden angepasst sind, wuchs die Firma kontinuierlich und beliefert heute Kunden in der ganzen EU. Durch ihr großes Netzwerk an Partnerbetrieben kann man auch internationale PEFC- und FSC-Standards einhalten. „Ein Mittelständler wie wir hat nicht die Struktur für weltweite Aktivitäten, Europa als Markt ist für uns aber ohnehin groß genug“, betonte der Firmenchef. Auch zahlreiche regionale Kunden hat Holz Schiller, doch mit ihnen allein wäre der Absatzmarkt, den man sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat, viel zu klein.

Ausschließlich regionaler Vertrieb: Für größere Firmen ist dieser Zug abgefahren

„Früher gab es allein in Regen sieben Sägewerke, heute gibt es nur noch uns. Bei anderen holzverarbeitenden Branchen ist es ähnlich. Der Zug ist abgefahren“, meinte Schiller in Bezug auf die Vorstellung, man könne den Verkaufsmarkt wieder ausschließlich regional aufstellen. Wer eine gewisse Firmengröße erreicht und sich spezialisiert hat, für den mache eine rein regionale Ausrichtung keinen Sinn mehr – zumal es sich um eine investitionsintensive Branche handelt. Die Maschinen, die Schiller für seine Produktion braucht, kosten Millionen Euro, die der Betrieb auch wieder refinanzieren müsse. „Wichtig für uns ist aus ökologischer Sicht, dass wir die Logistik weiter verbessern, indem die Lkws möglichst nicht leer fahren, sondern Produkte ausliefern und auf dem Rückweg wieder Material mitnehmen“, erklärte der Firmen-chef.
Für den Bezirkstagspräsidenten waren dies interessante Einschätzungen, die zeigten, dass Regionalität nur mehr teilweise machbar ist. „Die Zeit lässt sich natürlich nicht mehr zurückdrehen, aber gerade für kleinere Betriebe macht es Sinn, Strukturen aufzubauen, die ihnen die Vernetzung und Wertschöpfungsketten in der Region ermöglichen.“ Dem stimmten Heinrich und Victoria Schiller zu und begrüßten auch das Anliegen des Politikers, dass im Bayerischen Wald auf keinen Fall noch mehr Wälder aus der Nutzung genommen werden dürften.

Nicht noch mehr Wälder aus der Nutzung nehmen

„Auch wenn sie weniger wurden: Noch gibt es bei uns viele holzverarbeitende Betriebe, die auch weiterhin eine Wirtschaftsgrundlage brauchen“, so Heinrich Schiller. Und er ergänzte: „Unser Waldbewirtschaftungssystem ist ohnehin wesentlich besser als in Tschechien oder Schweden, wo radikal ganze Wälder gerodet werden. Bei uns werden die großen Bäume geschnitten, um Platz für die jungen zu machen. So kann der Wald sich nachhaltig verjüngen und dauerhaft Qualitätsholz liefern.“ Zudem sei das System mit den Waldbesitzervereinigungen perfekt für die Region, in der es zahlreiche kleinere Waldbesitzer gibt, deren Holz gemeinsam über die WBVs vermarktet wird.
Dass der Freistaat eine Initiative plane, um Holzbau auch für mehrgeschossige Häuser zu fördern, sei laut Schiller „sehr gut“. Doch für die Herstellung von Brettsperrholz, das für Fertigbauelemente nötig ist, gibt es nur wenige Betriebe in Bayern. Deshalb sei es fraglich, inwieweit die Regionalität bei den Ausschreibungskriterien von öffentlichen Bauvorhaben tatsächlich integriert werden kann.
Olaf Heinrich bedankte sich für die vielen neuen Erkenntnisse zu dem Thema und wünschte der Firma weiterhin viel Erfolg. Vor allem auch bei der Suche nach Fachkräften, die laut Schiller Mangelware sind und die Entwicklung des Betriebes derzeit am meisten limitieren.

Im Bild: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (l.) im Gespräch mit Heinrich und Victoria Schiller.
Foto: Lang / Bezirk Niederbayern