Gedenkstätte

ZUR ERINNERUNG AN DIE OPFER DER PSYCHIATRIE WÄHREND DES NATIONALSOZIALISMUS IN DER EHEMALIGEN HEIL- UND PFLEGEANSTALT MAINKOFEN

Am 28. Oktober 2014, dem Jahrtag des ersten „T4“-Transports, fand die Einweihung der Gedenkstätte auf dem Friedhof des Bezirksklinikums Mainkofen statt, das 1911 als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet wurde und während des Nationalsozialismus das dunkelste Kapitel seiner Geschichte erlebte.

Der NS-Staat erklärte Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen für erbbiologisch und gesellschaftlich minderwertig. Der Beginn des menschenverachtenden Massenmords an Hunderttausenden von Anstalts- und Heimbewohnern, der auch vor der Einrichtung in Mainkofen nicht Halt machte: mehr als 500 Jugendliche und Erwachsene wurden zwangssterilisiert, über 600 Patienten in die Gastötungsanlage nach Hartheim bei Linz deportiert; mehr als 700 Menschen starben an Entkräftung - sie wurden laut „Bayerischem Hungerkost-Erlass“ vom 30.11.1942 fleisch- und fettlos ernährt und damit zum Tode verurteilt.

Die unmenschlichen Vergehen und systematischen Tötungen sind auf dem neu gestalteten Friedhofsgelände thematisiert, die Opfer mit Namen und Lebensdaten auf den Glasstelen gelistet.  Allen Besuchern soll die Gedenkstätte Lernort sein, Mahnung und Aufforderung, gegen jedwede Verletzung der Menschenwürde sowie jede Form der Menschenverachtung aufzubegehren und für ein selbstbestimmtes Leben in Würde, Freiheit und Frieden engagiert einzutreten.

Zur Einweihung der Gedenkstätte im Jahr 2014 wurden auch vier Miniaturen für Saxophon-Quartett komponiert. Zeitgenössische Musik und moderne Instrumente, insbesondere das Saxophon, waren im Nationalsozialismus verpönt. Um so mehr will diese Musik den Opfern eine Stimme geben; sie erklingt bei geführten Besichtigungen des Gedenkraums in der ehemaligen Leichenhalle.

Sonatine für Saxophon-Quartett (Philipp Ortmeier, *1978)
Interpreten: Franziska Forster, Steffi Kreilinger, Nico Graz, Martin Jungmayer, Aufnahme: Stefan Lang

Der Gedenkort ist ganztägig über das abgeschrankte Klinikgelände zugänglich.
Der "Ort der Stille" im ehemaligen Leichenhaus mit der Opferwand ist nur nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen.

Seit 2014 findet bei der Gedenkstätte alljährlich am 28. Oktober eine Feier zur Erinnerung an die Opfer statt.