Vom Niederbayerischen Bauernhofmuseum Massing im Rottal zum Freilichtmuseum Massing – 50 Jahre Geschichte eines Heimatmuseums in fünf Stationen und einigen Anekdoten

Freilinger Häusl (Foto: Martin Ortmeier)

Kochhof (Foto: Martin Ortmeier)

Taubenhaus (Foto: Josef Lang)

Von Martin Ortmeier
Zweite Station: 1979–1988: Vom Bauernhofmuseum zum Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum Massing bildet wegen seiner frühen Gründung im Jahre 1969 die Entwicklung des regionalen Museumswesens beispielhaft ab. Von einem Heimatmuseum, mit Leidenschaft gegründet und lange Zeit von bürgerlichem Engagement getragen, hat es sich zu einem Museum entwickelt, das die Anforderungen, die das International Council of Museums (ICOM) stellt, in allen Aspekten erfüllt: Es sammelt entsprechend seinem regionalen und inhaltlichen Auftrag, es bewahrt in beispielgebender Weise, es forscht – wenngleich in sehr engem Rahmen – und es vermittelt sach-, wirtschafts- und sozialgeschichtliches Wissen in Führungen, pädagogischen Programmen und Ausstellungen.
Das Freilichtmuseum Massing genügt auch der Freilichtmuseums-Definition des Verbandes Europäischer Freilichtmuseen, deshalb vermeidet es populäre Namen wie Museumsdorf, Bauernmuseum oder Bauernhoferlebniswelt. Seit 1984 tritt es konsequent unter dem Namen Freilichtmuseum Massing auf.

Seit dem 12. Juni 1970 war das Museum in der Trägerschaft einer gleichnamigen Stiftung. Ihr Vorsitzender Michael Osterholzer hat, vermittelt durch Regierungspräsident Dr. Gottfried Schmid, die Stiftung als Mitglied in den Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen eingebracht. Dieser wurde am 3. Juli 1979 unter dem Vorsitz von Bezirkstagspräsident Sebastian Schenk gegründet. Zweck dieser Körperschaft ist seitdem der Aufbau und Betrieb der Freilichtmuseen in Finsterau und in Massing, die gemeinsam zur Aufgabe haben, die historische ländliche Siedlungskultur Niederbayerns zu dokumentieren.

Museumsleiter Dr. Georg Baumgartner legte während seiner Dienstzeit 1981 bis 1983 mit der ganzheitlichen Ausstattung des Kochhofs die Grundlagen für eine fachliche Fortentwicklung des Museums. 1984, nun bereits unter der Leitung von Dr. Martin Ortmeier, wurde beim Kochhof ein Brunnen abgeteuft und 1985 zur Wasserförderung eine Windturbine auf einem hölzernen Turm errichtet. Mit der Translozierung des Freilinger Häusls wurde 1989 die Errichtung und Ausstattung des Kochhofs abgeschlossen. Der Blockbau des Obergeschosses wurde im Ganzen transloziert. Mit diesem Bauwerk fand das Freilichtmuseum Massing Anschluss an die Qualitätsentwicklung, die u.a. von den Freilichtmuseen in Bad Windsheim und Finsterau vorangetrieben worden war.

Die Wiederrichtung der seit einigen Jahren eingelagerten Marxensölde hat 1985/86 den wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Horizont des Freilichtmuseums Massing erweitert. Das Museumskonzept sieht seitdem vor, im Umfeld dieses Hofs eine Häusergruppe von Kleinbauernanwesen zu errichten. Verschiedene dörfliche Handwerke sollten diesen landwirtschaftlichen Betrieben zugeordnet sein, insbesondere eine Schmiede/Schlosserei und eine Wagnerei wurden angestrebt.

Nun soll mit der Görgenmannsölde eine Hafnerei aus dem Kröning das Ensemble erweitern. 2021 soll sie im Museum fertiggesellt sein und mit Vorführungen und pädagogischen Angeboten belebt werden.

Im Bild oben: Spektakulär und Zeichen des Qualitätsbestrebens war die Ganzteilübertragung des inschriftlich auf 1611 datierten Blockbaukastens vom Obergeschoss des Freilinger Häusls, mit dem 1988 der Aufbau des Kochhofs abgeschlossen wurde. (Foto: Martin Ortmeier)

Im Bild Mitte: Die dichte, historisch korrekte und dennoch stimmungsvolle Ausstattung des Kochhofs dokumentiert in den 1980er Jahren den Schritt des Freilichtmuseums Massing vom traditionellen Heimatmuseum zur kommunalen Institution mit Sammlungs-, Forschungs- und Bildungsauftrag. (Foto: Martin Ortmeier)

Im Bild unten: Seit 2016 steht das Taubenhaus aus Müllersberg im Kochhof: als repräsentative Mitte eines stattlichen Rottaler Vierseithofs. Der Blechgockel auf der Spitze seines Pyramidendachs grüßt hinauf zum Rad des Windbrunnens. (Foto: Josef Lang)