Die „Rote Res“ ist ein Glücksfall für Bodenmais

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besucht Jo Wagner und Michael Pelikan, die die „Alte Post“ am Marktplatz sanieren

Bodenmais. Die „Rote Res“ war eine Gefährtin des legendären Räubers Heigl. Ihr Name passt gut für das neue Lokal am Marktplatz in Bodenmais, denn auch das, was dort in den Räumen der „Alten Post“ derzeit passiert, ist unkonventionell, fast revolutionär, und doch auch traditionell. Der 32-jährige Bodenmaiser Jo Wagner hat das Gebäude gegenüber der Kirche vor knapp drei Jahren gekauft und ist seitdem dabei, es gemeinsam mit dem 25-jährigen Michael Pelikan zu sanieren.
„Im April soll die Bar eröffnet werden“, erklärt er Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der eben die Baustelle betreten hat. Dass es bis dahin noch viel zu tun gibt, ist offensichtlich – aber auch, dass hier ein ganz besonderes Lokal entstehen wird. Das Gewölbe haben die beiden mühevoll freigelegt, damit nach dem Verputzen die alten Steinwände noch zu sehen sind. „Das sind Steine vom Silberberg“, sagt Jo und verweist darauf, dass Prof. Reinhard Haller eine Hauschronik erstellt, die hier später ausgehängt wird. „Storytelling ist ja im Trend und diese lange Geschichte muss man einfach erzählen.“ Schließlich wurden in der Post in Bodenmais früher die Pferde auf dem Weg zwischen Regen und Kötzting gewechselt – mitten durch das Haus führte die Kutschendurchfahrt damals, heute ein langer Flur, der das Erdgeschoss teilt.
Olaf Heinrich ist bei diesem Thema in seinem Element, sowohl als Bezirkstagspräsident als auch als Stadtentwickler. Denn der Erhalt identitätsstiftender Baukultur ist ein großes Anliegen des Bezirks Niederbayern. Umso besser, wenn es dann noch zur Belebung eines Ortskernes beiträgt. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass das laufen wird“, sagt Heinrich und lobt das Engagement der beiden. „Was ihr hier macht, ist unbezahlbar für einen Ort.“ Als sie dann von ihren weiteren Plänen mit dem insgesamt 3.300 Quadratmeter großen Gelände erzählen, meint Heinrich augenzwinkernd: „Hat euch denn der Bürgermeister schon die Füße geküsst?“
Symbolisch hat Bürgermeister Joli Haller das sehr wohl getan. „Für uns ist das ein riesiger Glücksfall.“ Denn neben der Bar, die im ehemaligen Laden entsteht, können auch im früheren Wirtshaus Veranstaltungen für bis zu 100 Personen abgehalten werden, wie Jo erklärt. „In diesem Raum haben wir vorerst nur das Nötigste gemacht, man kann ihn für private Feiern oder ähnliches gerne mieten, aber auch wir selbst werden hier kleine Konzerte und  Veranstaltungen organisieren.“ Daran angeschlossen ist eine Küche, in der der gelernte Koch bei einer Veranstaltung auch Gerichte anbieten kann. „Wir legen großen Wert auf regionale Hersteller und Zulieferer – vom Brot bis zum Fleisch.“ Um diesen Geist weiterzutragen, wollen sie später auch Kochkurse abhalten. „Vielleicht sogar mit Kindern, indem wir ihnen vom Einkauf bis zum Servieren alles beibringen“, sagt der 32-Jährige.
Im Laufe der Jahre hat er sich viel handwerkliches Knowhow beigebracht und in Michael, gelernter Industriekaufmann und heute Behindertenbetreuer der Diakonie in Regensburg, einen begeisterten Mitstreiter gefunden. „Alles, was möglich ist, machen wir selbst, deshalb dauert’s auch ein wenig.“
Das Nebengebäude, das früher als Hallenbad und Wohnung des Hotelbesitzers genutzt wurde, ist schon fertig – zwei Wohnungen sind entstanden. Nun ist das Erdgeschoss des Haupthauses dran, danach folgt der erste Stock. Und dass sie dort ein „Hostel“ einrichten wollen, entlockt dem Bürgermeister schon wieder ein sehr zufriedenes Lächeln. „Damit schließen sie eine wichtige Lücke in unserem touristischen Angebot: praktische und stylische Zimmer für junge Outdoorsportler“, erklärt Joli Haller. Ein Hostel in der Art findet sich im weiten Umkreis nicht.
Im Garten hinter dem Haus soll ein schöner Biergarten entstehen – schon zweimal fand dort ein Christkindlmarkt statt. „Und die Garagen nebenan sollen mal Probenräume für Bands werden. Wir machen selbst Musik und wissen, wie schwer es ist, eine geeignete Location zu finden.“
Die Vorfreude ist nicht nur bei den jungen Männern groß, auch die Bodenmaiser sind schon sehr gespannt. „Manchmal kommt jemand vorbei und fragt, wann wir endlich aufsperren“, sagt Jo lachend. „Viele fragen, ob sie uns helfen können. Unsere Spezln packen oft mit an und jeder bringt sich mit seinen Ideen ein.“
„Authentische, in der Region verwurzelte Angebote treffen den Nerv der Zeit und haben große Zukunft“, ist Olaf Heinrich überzeugt. Die jungen Unternehmer geraten davon ins Schwärmen, wie schön es ist, wenn man im Ort einen großen Zusammenhalt spürt und einem die Menschen Wertschätzung entgegenbringen für das, was man tut. „So was habe ich noch nicht erlebt“, sagt Michael und Jo ergänzt: „Das ist das Schönste an allem und es ist unbezahlbar.“ – „Eine Rendite, die man nicht auf dem Kontoauszug sieht“, nickt Heinrich.
„Dieses positive Gefühl entsteht auch deshalb, weil es sich nicht um einen auswärtigen Investor handelt, sondern zwei junge Bodenmaiser es in die Hand nehmen“, glaubt Joli Haller. „Und da die beiden so gut vernetzt sind in der Heimat, wird das hier ein lebendiges Haus, in dem Jung und Alt gerne ein- und ausgehen“, ist er überzeugt. Für den Marktplatz insgesamt erhofft sich der Bürgermeister davon auch eine Belebung. Mit der Ideenwerkstatt und dem daraus nun zu erstellenden Konzept will auch die Marktgemeinde ihren Beitrag leisten, damit sich der Ortskern von Bodenmais weiter entwickelt.
Darauf wird nun mit einem Bierchen angestoßen – es heißt übrigens auch „Rote Res“ und ist ein Pale Ale der Brauerei Pfeffer mit eigenem Etikett für die neue Bodenmaiser Location. Der „Roten Res“ von damals hätte das sicher gefallen.


Im Bild von links: Bürgermeister Joli Haller und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich wurden von Jo Wagner und Michael Pelikan durch die Räumlichkeiten geführt.
Foto: Bezirk Niederbayern, Lang

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