„Gesundheitsversorgung darf kein Privileg der Metropolregionen sein“

Ambulanz für psychische Gesundheit in Grafenau offiziell eröffnet

Grafenau. Nach monatelangen Vorbereitungen konnte am Freitag die Ambulanz für psychische Gesundheit in Grafenau, als Außenstelle des Bezirksklinikums Mainkofen, offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Damit beschreitet der Bezirk Niederbayern neue Wege, denn die Ambulanz in Grafenau ist die erste ihrer Art im gesamten Regierungsbezirk.
„Es ist unsere Aufgabe, Menschen in einer Notlage zu helfen“, umschrieb Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich knapp die Gründe für die neue Einrichtung. Denn die Region ist fachärztlich unterversorgt, betroffene Patienten mussten lange auf einen Termin warten und weite Wege auf sich nehmen. Frühzeitig zu helfen, sei wichtig, da man damit psychische Erkrankungen besser behandeln und so auch stationäre Aufenthalte vermeiden könne. Auf die Idee kam man, so Heinrich, als man merkte, wie hervorragend vor zwei Jahren die Übergangsstation am Krankenhaus Freyung – die man aufgrund statischer Probleme kurzfristig von Mainkofen verlagern musste – angenommen wurde. „Die Krise hat sich als Chance entpuppt.“ Dasselbe wünschte er auch den Menschen, die in einer psychischen Krise Hilfe in der Ambulanz suchen.
Als einen „Freudentag für die Region“ bezeichnete es Landrat Sebastian Gruber, da mit der Eröffnung dieser Bezirkseinrichtung auch die Gesundheitsversorgung im Landkreis verbessert werde, denn diese dürfe kein Privileg der Metropolregionen sein. Gerade im ländlichen Raum, wo man jeden kennt, würden sich viele Menschen nicht trauen, offen mit ihrer psychischen Erkrankung umzugehen. „Dies ist ein Signal an alle: Traut euch, kommt her und lasst euch helfen. Der Bezirk Niederbayern lässt euch nicht im Stich“, so Gruber, der sich stolz zeigte, „dass bei uns die erste Ambulanz dieser Art eröffnet wird“.  
Prof. Wolfgang Schreiber, der ärztliche Direktor des Bezirksklinikums Mainkofen, hob das Ziel der Ambulanz hervor, das schon im Namen verdeutlicht werde: psychische Gesundheit. „Da es die erste für uns ist, werden wir viele Erfahrungen sammeln und auch einiges ausprobieren. Aber wir freuen uns alle sehr darauf“, so Schreiber. Mit dem Ausprobieren ging es dann gleich los, nachdem die fachärztliche Leiterin der Ambulanz, Dr. Cathy Czako, den Gästen ihr Team vorgestellt hatte. Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten wurde die modernste Neuerung, die Videosprechstunde per Computer demonstriert. Über eine gesicherte Leitung und mithilfe eines nach TÜV-IT zertifizierten Programms kann man über Chat mit seinem Therapeuten sprechen. Dies bedarf natürlich der Zustimmung des Patienten und nach der Sitzung werden sämtliche Daten gelöscht. „Es ersetzt auch nicht den persönlichen Kontakt, sondern dient als Ergänzung“, betonte Czako.

Den kirchlichen Segen beider Konfessionen erteilten Dekan Kajetan Steinbeißer und Pfarrerin Sonja Schuster. Steinbeißer erkannte durchaus „Deckungsfelder“ zwischen seiner seelsorgerischen Tätigkeit als Pfarrer und der Aufgabe der Ärzte und Therapeuten in der Ambulanz für psychische Gesundheit. „Das hier ist eine sehr sinnvolle Sache, denn es kann schnell gehen, dass die Psyche erkrankt.“ Auch die evangelische Pfarrerin hob hervor, dass es jeden treffen kann. „Dann ist es gut, wenn es schnelle Hilfe gibt, so kann Schlimmeres verhindert werden.“ Mit einem gemeinsamen Gebet an Gott, der auch selbst das Leid erfahren hat und für alle Menschen ein Erlöser ist, fand die offizielle Einweihung ihr Ende.

Den Betrieb aufgenommen hat die Ambulanz bereits am 2. Mai, schon jetzt liegen über 50 Terminanfragen für Sprechstunden vor, so dass die Verantwortlichen davon ausgehen, dass aus den anfänglichen drei Öffnungstagen pro Woche bald fünf werden könnten. „Schließlich wollen wir ja eben keine langen Wartezeiten mehr“, betonte der Bezirkstagspräsident.

Im Bild: Dr. Cathy Czako, die Leiterin der Ambulanz für psychische Gesundheit in Grafenau, und Prof. Dr. Wolfgang Schreiber, der ärztliche Direktor des Bezirksklinikums Mainkofen (sitzend), demonstrierten Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (v.r.), Landrat Sebastian Gruber, stellvertretender Landrätin Helga Weinberger und weiteren Gästen die Videosprechstunde.

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